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Ghostbusters: Wozu ein Desaster gut sein kann

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„Das Beste über Paul Feigs Ghostbusters-Adaption gleich vorweg: Die Fanboys werden den Film hassen.“ 

Andreas Buscher verrät hier in der Zeit nicht, was genau eigentlich eine solch gute Idee daran sein sollte, mit einem 160 Millionen Dollar teuren Remake eines Filmklassikers aus den Achtzigern dessen – meist männliche – Fans entschieden gegen sich aufzubringen.

Die hätten sich jedenfalls monatelang darüber beschwert, „dass in der Neuauflage ihres Kultfilms vier Frauen die Hauptrollen spielen“, hätten abermals gezeigt, dass die sozialen Netzwerke sich „zunehmend zur Kloake der freien Meinungsäußerung“ entwickelten, und hätten sich in den „Hassforen selbsterklärter Fans“ ausgetobt. Im Unterschied womöglich zu Ghostbusters-Fans, die offiziell vom Feuilleton der Zeit dazu erklärt worden sind.

Ähnlich Dietmar Dath in der Frankfurter Allgemeinen, für den die Kritik am Film „aus der militanten digitalen Gosse“ stammt. Gosse, Kloake: Es wäre bestimmt einmal eine lohnende Aufgabe für eine sprachwissenschaftliche Arbeit, die Wortwahl deutscher Journalisten bei der Darstellung des Internets zu untersuchen.

Ganz in diesem Sinne schreibt auch David Kleingers im Spiegel: Die Macher des Films hätten einen „beispiellosen Shitstorm“ erlebt, inszeniert von Menschen,

„die es offenkundig nicht ertragen, dass Frauen es wagen, mit ihrem angestaubten Jungenskram zu spielen“.

Für ihn ist dann der Besuch des Films gar eine politische Aktion:

„Bildet Kinoschlangen. Für die ‚Ghostbusters‘ – und gegen den hässlichen Spuk.“

Tom Caspar Boehme schließlich hat weder unnötige Angst vor unangemessenem Pathos noch vor allzu nahe liegenden Metaphern, wenn er in der taz klarstellt, „das Gespenst des Sexismus“ habe in den ablehnenden Äußerungen zum Film „sein hässliches Haupt erhoben“.

Spätestens seit dem letzten Mad Max-Film bin ich allerdings zurückhaltend damit, mich bei solchen Aussagen vertrauensvoll mitzuempören. Damals hatten amerikanische und europäische Journalisten, offenbar jeweils voneinander abschreibend, wütend darüber berichtet, dass Männerrechtler zu einem Boykott des Films aufrufen würden – weil es ihnen nicht passe, dass die weibliche Figur der Imperator Furiosa stärker wirke als der Serienheld Max.

Tatsächlich kam der Boykottaufruf von einer einzigen Webseite, die sich von Männerrechtlern deutlich distanziert und die sowohl frauenfeindlich als auch antisemitisch ist. Dort rief ein Autor zum Boykott auf, der den Film gar nicht gesehen hatte.

Da es aber ja tatsächlich albern ist, wenn jemand einen Film wütend grottenschlecht findet, den er nur aus Trailern kennt – da es aber auch nicht sonderlich klug ist, wenn jemand einen Film toll findet, nur weil er dessen Gegner für Deppen aus Kloaken hält – habe ich mir den neuen Ghostbusters erst einmal selbst angesehen.

Nach dieser Erfahrung ist mein Eindruck, dass ausgerechnet der musikexpress zu einem deutlich seriöseren, abgewogeneren Urteil kommt als die ehrwürdigen seriösen Zeitungen, die oben zitiert sind. Daniel Krüger distanziert sich dort von den Anfeindungen, ohne den Film deswegen unkritisch grandios zu finden: Ghostbusters sei ein „ganz und gar furchtbarer Film“, der „zwar eine große Marke bedienen (wolle,)  in seiner Machart trotz hohem Budget aber ein ganz kleiner Film“ sei.

„Und obendrein noch einer, der die extremen Debatten im Vorfeld der Veröffentlichung nicht verdient hat.“ 

Auch wenn ich das Urteil über den Film unbedingt richtig finde – die Debatte darüber finde ich so lohnend, dass ich glatt ein wenig in sie einsteigen möchte. Denn auch wenn der Pop-Film wohl ein ökonomisches und ganz gewiss ein künstlerisches Desaster ist, lässt ich gerade an diesem Misserfolg vieles zeigen, das über ihn hinaus interessant ist.

 

Geschichte eines verspäteten Erwachsenwerdens: Das Original

Das Original aus dem Jahr 1984 beginnt mit einer Szene, in der ein Dozent, offenbar in einer Universität, die paranormalen Fähigkeiten zweier studentischer Versuchspersonen testet und sie mit Stromstößen für Fehler bestraft. Er bestraft allerdings allein den männlichen Studenten, obwohl der manchmal erstaunlich richtig liegt – die unbedarfte, spirituell völlig unbedarfte Studentin verschont er, um mit ihr anbändeln zu können.

Der Mann, der hier als rücksichtsloser, egoistischer, unehrlicher und grenzverletzender Unsympath eingeführt wurde, wird dann nicht etwa den Regeln des Horrorfilms entsprechend für seine Amoralität bestraft – sondern als zentrale Figur des Films etabliert. Allerdings verliert Dr. Peter Venkman (Bill Murray) gleich darauf seine Stelle: Seine Forschungen auf dem Gebiet des Paranormalen sind der Universität zu unseriös.

Das ist auch für Dr. Raymond Stantz (Dan Ackroyd) ein Problem, der panisch-empört befürchtet, beide müssten nun vielleicht einen Job in der freien Wirtschaft suchen, wo sie am Ende noch tatsächlich echte Resultate vorlegen müssten.

Ein unsympathischer Hochstapler, ein unreifer großer Junge – und schließlich ein in seine Forschungen versponnener Nerd mit erheblichen Kommunikationsproblemen, Dr. Egon Spengler (Harold Ramis): Die Protagonisten des Originals werden als Personen eingeführt, die eine Rolle erwachsener Männer bestenfalls vortäuschen, aber nicht ausfüllen können – und die gleich zu Beginn des Films damit desaströs scheitern. Es ist also schnell klar, dass sie sich dringend weiter entwickeln müssen: Die Handlung beginnt damit, sie als erwachsene Männer gründlich zu zerstören.

Wenn sie schließlich erfolgreich sind, wenn sie sich als „Ghostbusters“ etablieren und am Ende die ganze Stadt, eigentlich die ganze Welt retten – dann sind sie schließlich eben die Männer, die sie zu Beginn nur mangelhaft vorgeben zu sein. Geholfen hat ihnen dabei Ernie Hudson (Winston Zuddermore), der später zu ihnen gestoßen ist: Pragmatisch und umsichtig agierend, sorgt er gleichsam für die Erdung, die seine Mit-Ghostbuster in ihrer Entwicklung so dringend brauchen.

Diese Geistergeschichte ist in ihrer Grundstruktur also eigentlich die Geschichte eines verspäteten Erwachsenenwerdens – und darauf beruht auch ihre Wirkung und ihr Identifikationspotenzial.

Die Traumfrau Dana Barrett (Sigourney Weaver) ist, ganz passend dazu, zu Beginn für den unreifen Venkman unerreichbar. Seine Annäherungsversuche sind ebenso hoffnungslos wie die ihres nerdigen Nachbarn (Rick Moranis), dessen unbeholfenes und chancenloses Verliebtsein ihre Unerreichbarkeit nur noch deutlicher macht.

Am Ende aber sind Venkman und sie ein Paar. Er hat sich nicht nur als erwachsener Mann, als Held erwiesen – er hat auch vielen Menschen tatsächlich geholfen, ist nicht mehr der egofixierte Unsympath der Eingangsszene.

Die Frau ist hier also wie eine Prinzessin im Märchen zugleich Göttin und Trophäe: Göttin, weil sie die Entscheidung trifft, dass Venkman sich ausreichend weiter entwickelt hat, um als ihr  Partner in Frage zu kommen – und Trophäe, weil ihre Nähe zugleich auch Belohnung für diese Entwicklung ist.

Im Unterschied zu den männlichen Protagonisten ist damit aber die Rolle der von Beginn an idealisierten Frau statisch angelegt. Es wäre daher sehr interessant gewesen, einmal zu sehen, wie eine solche Entwicklungsgeschichte aus einer weiblichen Perspektive aussieht.

 

Von männlichen Hosenschissern und vollkommenen Frauen: Das Remake

Das Problem des neuen Ghostbusters ist also nicht, dass er männliche durch weibliche Protagonisten ersetzt – sondern dass er zugleich das Geschlechtermuster des Originalfilms beibehält, dessen Kombination von Weiblichkeits-Idealisierung und Männlichkeits-Destruktion. Auf diese Weise nämlich stehen nun keine Männer mehr im Mittelpunkt, die sich dringend weiter entwickeln müssen – sondern Frauen, die eigentlich von Beginn an, jede in ihrer eigenen Weise, vollkommen sind. Nicht sie müssen sich entwickeln, sondern die Welt muss ihre Grandiosität erkennen: Das löst der Film ganz am Ende zwar auch ein, aber damit ist sein Grundmuster dann eben auch statisch, unbeweglich.

Ähnlich die männlichen Figuren des Films. Auch im Remake wird Männlichkeit gründlich destruiert, aber anders als im Original ist das nun nicht mehr nicht Impuls für eine dringend nötige Entwicklung – sondern lediglich Ausdruck eines trüben Ressentiments. Die Männer bleiben hier allesamt die Trottel, die Egoisten, die hohlen und rücksichtslosen Wichtigtuer, als die sie jeweils vorgestellt werden.

Auch Dr. Erin Gilbert (Kristen Wiig) verliert, wie Venkman, zu Beginn des Films ihre Chance auf eine Stelle an einer Universität. Anders als er ist sie aber tatsächlich eine brillante theoretische Physikerin, die sich erfolgreich mit der Verknüpfung von Relativitätstheorie und Quantenphysik beschäftigt. Allerdings verkauft sie sich schlecht, ist unsicher, gekleidet in ein biederes kariertes Outfit – und scheitert daran, dass ihr Dekan ein Buch über paranormale Forschungen  entdeckt, das sie vor Jahren gemeinsam mit Dr. Abigail Yates (Melissa McCarthy) veröffentlicht hatte.

Auch die verliert ihre Stelle an einer kleinen Hochschule – aber nicht, weil sie selbst infantil  wäre, sondern weil ihr Dekan es ist. Der ist im entscheidenden Gespräch kindisch darum bemüht, ihr, Erin und Dr. Jilian Holtzmann (Kate MacKinnon) möglichst viele unterschiedliche Versionen seines ausgestreckten Mittelfingers zu zeigen.

Während Abigail aussieht wie eine adipöse Hausfrau, aber eine brillante Wissenschaftlerin ist, wirkt Holtzmann verrückt, ist aber eine brillante Ingenieurin. Anders als der linkische Spengler aus dem Original ist sie zudem auch souverän und in ihrer Schrägheit jederzeit wach und präsent.

Patty Tolan (Lesley Jones) schließlich wird zwar, als Angestellte der U-Bahn, von den Fahrgästen notorisch ignoriert, ist aber lebenspraktisch, klug, mutig, street wise und kennt New York wie niemand sonst: Eine Figur übrigens, die ganz ohne Scheu vor lang vertrauten Schwarzen-Klischees entwickelt wurde.

Die Männer hingegen sind trottelig (Chris Hemsworth als Kevin Beckman, der desorientiert im Empfang der Ghostbusters arbeitet), sadistisch (Neil Casey als Rowan North, der böse Gegenspieler der Ghostbusters) oder egoistisch und wichtigtuerisch (der Bürgermeister, die Hochschuldirektoren).

So hat auch das Verhältnis von Männern und Frauen hier eine ganz andere Funktion als im Original. Dort war die Liebesgeschichte, in der die Handlung mündete, Konsequenz eines Entwicklungsprozesses. Im neuen Film ist Erin zwar von Kevin sexuell sehr angezogen, aber eine Liebesgeschichte ist hier aufgrund von dessen offenkundiger Dummheit ausgeschlossen – eine Bettgeschichte aber jederzeit möglich.

Wenn er es denn schafft, zum Bett zu finden.

So eignet sich Kevin denn auch nicht als Märchenprinz, nicht als Trophäe und schon gar nicht als Gott. Der Film kulminiert nicht in einer Liebesgeschichte zwischen Mann und Frau, sondern in der Bestätigung der Frauenfreundschaften, die grundsätzlich schon zu Beginn bestanden haben. Als Holtzmann dies am Ende in einer rührenden Rede betont, wirkt das wiederum so klischeehaft-aufgesetzt, dass auch Feig selbst wohl nicht recht wusste, ob er die Szene ironisieren oder ernst nehmen möchte.

Auch die Geistergeschichte ist im Vergleich zum Original nicht mehr motiviert. Die Begegnung mit Geistern und Dämonen ist allgemein ein Bild für die Begegnung mit Ängsten, wohl auch mit Gefühlen, die ein Mensch sich nicht zugestehen möchte. Das ist aber im neuen Film überhaupt nicht notwendig. Die Frauen müssen sich nicht auf eine Weise entwickeln, bei der sie auch ihren Ängsten begegnen müssten, und sie haben auch keine Gefühle, derer sie sich schämen müssten.

Zwar werden sie von einer infantilen, herrschsüchtigen Männerwelt in ihrer Brillanz verkannt, ausgegrenzt und lächerlich gemacht – aber selbstverständlich haben sie keine Rachebedürfnisse. Solche Motive sind hier Männersache: Rowan sieht sich ebenso wie sie als verkanntes Genie, möchte aber anders als die Frauen die Welt zur Strafe für deren Ignoranz zerstören.

Das Original lebte von einer Balance zwischen kindlichem Humor und Horror, für die der riesige Marshmallow-Mann am Ende ein einprägsames Bild war und in der sich die Entwicklungslogik des Films spiegelte. Der neue Film findet diese Balance nie. Er beginnt mit einer grauenerregenden Spuk-Szene, die für den Mann, der sie erlebt, gewiss tödlich enden muss. Wenige Film-Minuten später begegnen Erin, Abigail und Holtzmann ihm dann jedoch ganz selbstverständlich: Er hat überlebt, wie auch immer – statt das zu erklären, wird ausführlich deutlich gemacht, dass er sich bei seiner Begegnung mit dem Geist in die Hose gemacht habe.

Dies wiederum wird als ein so brillanter Gag präsentiert, dass die Beteiligten gleich eine ganze Reihe von Witzen dazu reißen. Hier wie in vielen anderen Szenen bin ich als Zuschauer unwillkürlich aus dem Film ausgestiegen und war mit dem Gedanken beschäftigt, ob den Schauspielerinnen ihre Rollen nicht unendlich peinlich gewesen sein müssen. Als cringeworthy wird so etwas im Englischen bezeichnet – was recht frei mit „hochgradig fremdschaminduzierend“ übersetzt werden könnte. Dass die Schauspielerinnen „sich sichtlich durch ein furchtbares Skript gequält haben“, wie Daniel Krüger schreibt, war ebenso auch mein Endruck.

Deutlich gewinnender als die Hauptdarstellerinnen agiert Hemsworth, der immerhin souverän und lässig mit einer Rolle umgeht, die auf die Bloßstellung seiner Figur hin angelegt ist.

 

Von der Feindseligkeit des Idealisierens

Es ist eben kein Frauenhass, der die Frauenrollen so undankbar macht, sondern eine haltlose, irreale Idealisierung, die den Figuren keine Entwicklungsmöglichkeiten zugesteht. Jede Entwicklung wäre ja nur eine Abweichung von der immer schon erreichten Vollkommenheit. Eigentlich sind alle vier Frauen damit bloß Abziehbilder, Illustrationen der für sich ja durchaus sympathischen These, dass auch Ü30- oder Ü40-Frauen, die gängigen Schönheitsidealen nicht entsprechen, Heldinnen sein und die Welt retten können.

So wie dem Film, im Vergleich zum Weiblichkeitsideal des Originals, das komplementäre Männlichkeitsideal fehlt, so fehlt ihm eben auch das Gegenstück zur Männlichkeitsdestruktion, mit der das Original einsetzt. Es mag ja sein, dass eine solche Destruktion weiblicher Figuren einige Regeln einer feministischen Korrektheit verletzt hätte, unmöglich aber ist sie heute im Film nicht.

Ein Beispiel dafür ist Woody Allens Film Blue Jasmine aus dem Jahr 2013, der das quälende Scheitern einer Frau vorführt. Sie ist in irrealen Selbstidealisierungen gefangen, kann sich aber gerade deshalb nicht weiter entwickeln und nicht pragmatisch agieren, lebt notorisch auf Kosten anderer und bricht schließlich komplett zusammen. Der Film macht eben die Entwicklungsfeindlichkeit von Idealisierungen zum Thema, zum Gegenstand der filmischen Reflexion, die im neuen Ghostbusters-Film stillschweigend und unreflektiert Grundlage der Handlung ist.

Im Unterschied zu den vier Schauspielerinnen in Feigs Film aber ist die schauspielerische Leistung von Cate Blanchett als Jasmine grandios. Im Mut zu ihrer Destruktion hat Allen eben ein Interesse an dieser Figur, das Feig bei seinen Figuren ganz abgeht, und das schafft auch einer Schauspielerin ganz andere Möglichkeiten.

So scheitert Feigs Film überhaupt nicht daran, dass er Männerrollen durch Frauen besetzt, oder am Hass seiner Gegner. Er scheitert eher daran, dass er die meisten Menschen kalt lässt – bis auf kleine Gruppen besonders Interessierter, die beispielsweise darüber räsonnieren, ob nicht alle vier Ghostbusters queer seien. Ansonsten sind nicht etwa hasserfüllte Demonstrationen das Problem dieses Films, sondern leere Kinosäle.

Tatsächlich scheitert der Film vor allem aber an seinem eigenen Desinteresse. Er ist desinteressiert am Original – das zeigt sich schon an der lieblosen, im Fall von Murray sogar demütigenden Weise, wie er die Original-Besetzung in Cameo-Auftritten vorführt.

Er ist desinteressiert daran, was die Fans – ob nun selbsterklärt oder nicht – so am Original mitgerissen hat.

Er ist desinteressiert an seinen Figuren und ihrer Entwicklung, und desinteressiert an einem schlüssigen Spannungsaufbau. Denn Spannung entsteht eben doch eher durch überzeugende Entwicklungsbögen als durch viele computeranimierte Geister.

Trotzdem ist das Scheitern dieses Unterhaltungsfilms nützlich, weil daran gleich in mehrfacher Weise etwas deutlich wird, was weit über ihn hinaus wichtig ist.

Politisch: Akteure einer postmodernen, feministisch inspirierten Linken verwechseln offenbar die eigenen starken Positionen in Medien, in staatlichen und staatlich-finanzierten Institutionen mit Mehrheitsfähigkeit. Tatsächlich ist ihr Problem gar nicht die entschlossene Gegnerschaft einiger Reaktionäre, sondern das achselzuckende Desinteresse vieler. Wer aber nicht daran interessiert ist, ob sich Geisterjägerinnen queer einlesen lassen, wird in diesem Film wenig finden, was den Besuch lohnt.

Die Freund-Feind-Muster, die auch den oben zitierten positiven Kritiken zu Grunde liegen, sind also für die Analyse dieser Situation einer postmodernen Linken völlig unangebracht – nützlicher wäre eine Auseinandersetzung mit der Frage, ob die eigenen Themen eigentlich für eine Mehrheit der Menschen überhaupt relevant sind.

Pragmatisch: Wer Menschen idealisiert, tut ihnen damit keinen Gefallen, weil er ihnen Entwicklungsmöglichkeiten verbaut und ihnen die Illusion vermittelt, nicht pragmatisch auf wechselnde, unerwartete Situationen reagieren zu müssen. Es ist eine Anleitung zum Scheitern.

Geschlechterpolitisch: Wer Männer verachtet, wird zwangsläufig auch Frauen mit Verachtung begegnen – auch wenn er diese Verachtung möglicherweise mit Idealisierungen übertüncht. Die Funktionen der Geschlechter sind so eng miteinander verwoben, dass sich geringschätzendes Desinteresse am einen mit wertschätzendem Interesse am anderen Geschlecht nicht verträgt. Wer also gegenüber Frauen wertschätzend agieren möchte, wird es auch gegenüber Männern tun müssen – und umgekehrt.


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