Nachfolgend findet Ihr eine Presseschau der letzten Woche und zwar Beiträge, die wir gelesen haben und selbst für lesens- oder überhaupt nicht lesenswert finden und gerade deswegen kommentiert werden sollten.
Auch wenn wir einen Artikel für lesenswert halten, heißt dies selbstverständlich nicht, dass wir allen Aussagen darin zustimmen und dasselbe Prinzip gilt umgekehrt für diejenigen Artikel, die wir nicht so toll finden: auch dort können Aussagen drin stehen, die wir befürworten. Wenn Sie diese wöchentliche Presseschau für hilfreich halten, dann bitte in den Social-Media-Kanälen teilen oder einfach Bekannten und Freunden weitersagen.
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Karneval der Kulturen
Mexikanerkostüme und Rastazöpfe werden als inakzeptable „Cultural Appropriation“ gebrandmarkt. Hinter solchem Aktivismus steckt irregeleitetes Traditions- und Rassendenken.
Vorbei die Zeit, als man noch unbekümmert Indianer spielen durfte oder sich als solcher verkleiden. Wenn der Nicht-Indianer, pardon: Nicht-Native-American, zum Federschmuck greift, womöglich noch mit dem Kriegsbeil in der Hand, nennt man das neuerdings „Cultural Appropriation“. Das Political-Correctness-Lexikon der Studentenzeitschrift Unicum übersetzt den Begriff als „Aneignung kultureller Merkmale einer ethnischen Gruppe“.
Nach Mikroaggressionen, Safe Spaces und Trigger Warnings kommt auch dieser Trend von jungen identitätspolitischen Aktivisten an US-amerikanischen Hochschulen. Es sei problematisch, die traditionellen Insignien anderer Gruppen zu kopieren, da man sich so in Richtung Rassismus bewege oder jedenfalls die Gefühle Betroffener verletze. Hellhäutige Amerikaner hätten z.B. eine Art Erbschuld für die Ermordung von US-Ureinwohnern (offenbar selbst, wenn ihre Vorfahren erst später eingewandert sind) und daher sei einschlägige Kostümierung unstatthaft.
Quelle: novo-argumente
Anmerkung Mark Smith: Der Artikel ist zwar nicht von letzter Woche, aber einfach zu gut und deshalb sogar an erster Stelle. Unglaublich, was an den US-amerikanischen Universitäten immer wieder neu ausgeheckt wird. Der US-Imperialismus und die mörderische Geopolitik der USA dürfte vermutlich an den US-amerikanischen Universitäten kaum ein Thema sein, umso lieber beschäftigt man sich dort mit Triggerwarnungen, Safe Spaces, Mikroaggressionen und neuerdings nun mit „Cultural Appropriation“. Verkehrte Welt oder die Welt spinnt!
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Das „Twitter-Mädchen“ im Syrienkrieg
Bei der Rollenverteilung in Gut und Böse greifen erfahrene Spindoctors gerne auf kleine Mädchen zurück, die zuverlässig Sympathien für die leidende Partei und Hass auf die denunzierte Partei liefern (vgl. Geleaktes CIA-Dokument belegt Kriegspropaganda – Junge Mädchen in der politischen Propaganda).
Legendäres Beispiel ist „Krankenschwester Nayira“ die 1990 in einem Video heulend „bezeugte“, wie irakische Soldaten Babys aus Brutkästen geworfen hätten. Diese von Medienvertretern unkritisch aufgesogene Story bewirkte in der Öffentlichkeit eine Stimmung, die den USA das Bombardement auf die Ölfelder des Irak politisch ermöglichte. Tatsächlich waren die „Babys“ in Wirklichkeit Puppen, die „Krankenschwester“ die Tochter des kuwaitischen Botschafters. Regie dieser infamen Propaganda-Inszenierung führte die PR-Agentur Hill & Knowlton.
Während das Leben der nur inszenierten Babys damals immerhin für einen Kriegsgrund taugte, spielte die halbe Million echter irakischer Kinder, die durch das US-Embargo ohne Medikamente verreckte, für die westliche Wertegemeinschaft keine Rolle. Bill Clintons damalige Außenministerin Madeleine Albright kommentierte 1996 ungerührt, dieses Opfer sei es wert gewesen. Die zynische Kriegerin führt heute eine politische Beratungsfirma in strategischer Partnerschaft mit dem grünen Warlord Joschka Fischer, der den Deutschen den Jugoslawienkrieg verkaufte, und unterstützt Warlady Hillary Clinton, die lügend und lächelnd über Leichen geht.
Quelle: Telepolis
Anmerkung Mark Smith: Wichtiger Beitrag von Markus Kompa über Informationskrieg, Politische Kommunikation und Kriegspropaganda in Zeiten geopolitischer Aktivitäten im Nahen und Mittleren Osten.
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Macron: „In fünf Jahren gibt es keine Gründe mehr, Extremisten zu wählen“
Nach der krachenden Wahlniederlage will Marine Le Pen den Front National zu einer neuen politischen Kraft mit neuem Namen umformen
Man kann nur hoffen, dass die Politik des neuen französischen Präsidenten besser ist als seine Reden. Zweimal hat Emmanuel Macron in der Nacht seines großen Erfolges eine Rede an le peuple français gerichtet. Einmal kurz nach 21 Uhr, dann, nicht ganz zwei Stunden später, an der Louvre-Glas-Pyramide vor einer größeren Menge seiner Anhänger. Beide Reden waren getragen von Pathos und inhaltsleeren Gemeinplätzen.
Zur ersten Rede wurde in der Fernsehdiskussion bei France 2 in der Politikerrunde angemerkt, dass Macron gut daran getan habe, jegliche Siegerattitüde zu vermeiden und sich verhalten zu präsentieren. Das sei staatsmännisch, so müsse ein Präsident auftreten. Bei der zweiten Rede war Macron etwas lockerer, er lächelte.
Quelle: Telepolis
Anmerkung Mark Smith: Für Thomas Parny sind vor allem die 12% leeren Stimmzettel und die 25% Enthaltungen ein klares Zeichen, dass die Mehrheit Macrons weniger überwältigend ausgefallen ist, als dies dem ersten Anschein nach macht.
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Paris und Kiel: Die Sozialdemokratie endgültig auf dem Abstellgleis
Die beiden Wahlen von gestern zeigen erneut, dass Sozialdemokraten in ganz Europa eine höchst gefährdete Art sind. Begreifen sie nicht schleunigst, dass sie sich vollständig vom Neoliberalismus trennen müssen, ist ihr Schicksal besiegelt.
In Frankreich ist das passiert, was man erwarten konnte und ich will nicht wiederholen, was ich vor 14 Tagen dazu gesagt habe (hier). Der neue Präsident wird in wenigen Tagen in personeller Hinsicht darlegen müssen, wie sein neuer/alter Weg aussieht. Überraschungen sind nicht ausgeschlossen, aber nach allem, was man auch am Wahlabend von prominenten Mitgliedern seiner „Bewegung“ hören konnte, wird sein Programm in der Sache ein ziemlich trauriger Mix aus Angebots- und Nachfrageelementen sein, die sich niemals zu einer Strategie vereinen werden, mit der es gelingen kann, die französische Wirtschaft aus der Rezession oder gar aus der sklavischen Abhängigkeit vom unsinnigen deutschen Diktat in Sachen Wirtschaftspolitik zu führen.
Quelle: Makroskop
Anmerkung Mark Smith: Mein Lieblingsökonom Heiner Flassbeck über die Sozialdemokraten in Deutschland. Natürlich dürfte das Wunschdenken von Flassbeck sein, wenn er den Sozialdemokraten rät, sie sollten sich schleunigst vom Neoliberalismus verabschieden, sonst hätten sie überhaupt keine Zukunft mehr. Die Sozialdemokraten werden weiter wursteln wie bisher und die Wähler sollten sich eigentlich fragen, weshalb braucht es diese Partei überhaupt noch, wenn sie sich kaum von der CDU unterscheidet.
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Der Krieg in Syrien und die blinden Flecken des Westens
In Syrien geht es nicht um „Werte“, sondern um Interessen. Geopolitik ist dabei das Schlüsselwort. Sie erklärt, warum aus dem Aufstand eines Teils der syrischen Bevölkerung gegen das Assad-Regime in kürzester Zeit ein Stellvertreterkrieg werden konnte. Auf syrischem Boden kämpfen die USA und Russland, aber auch der Iran und Saudi-Arabien und nicht zuletzt die Türkei um Macht und Einfluss – schreibt Michael Lüders.
Kriege werden erzählt, nicht anders als Geschichten. Die jeweiligen Erzählungen bestimmen das Bild in unseren Köpfen, unsere Sicht auf Konflikte. Wir wissen, oder wir glauben zu wissen, wer schuldig ist und wer nicht, wer die Guten sind und wer die Bösen. Im Falle Syriens ist die vorherrschende Sichtweise in etwa diese: Das verbrecherische Assad-Regime führt Krieg gegen das eigene Volk, unterstützt von den nicht minder skrupellosen Machthabern in Moskau und Teheran. Die syrische Opposition, gerne als „gemäßigt“ bezeichnet oder als „das“ syrische Volk schlechthin wahrgenommen, befindet sich in einem verzweifelten Freiheitskampf, dem sich der Westen nicht verschließen kann. Andernfalls stünde seine Glaubwürdigkeit auf dem Spiel, würde er seine „Werte“ aufgeben, ja verraten. Längst hätten wenigstens die USA militärisch intervenieren sollen, im Namen der Freiheit!
Quelle: Die Freiheitsliebe
Anmerkung Mark Smith: Michael Lüders ist einer der wenigen Journalisten und Publizisten, der es wagt, ein anderes Narrativ über die Konflikte im Nahen und Mittleren Osten zu erzählen, als dies sonst der Medienmainstream praktiziert.
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USA: Landkreise mit einer Lebenserwartung wie im Sudan
Nach einer Studie nimmt in den USA nicht nur die Einkommensungleichheit zu, sondern auch der Unterschied in der Lebenswartung.
Wenn es größere Einkommensunterschiede innerhalb einer Gesellschaft gibt, kann dies verkraftet werden, solange die Schere zwischen den Superreichen und den Armen nicht zu weit auseinander geht und die Menschen am unteren Ende der Einkommensverteilung nicht abgehängt werden und in Armut versinken. Kaum erträglich scheint es aber, wenn dazu noch die Lebenserwartung nicht nur um Jahre, sondern sogar um Jahrzehnte auseinanderdriftet. Das ist so zwischen Ländern, aber auch innerhalb von Ländern. Wer Pech hat und in die falsche Schicht am falschen Ort geboren wurde, kann auch in den reichen Industriestaaten damit rechnen, mitunter 20 Jahre kürzer zu leben als jemand, der in einem reichen Haushalt aufwächst (Die reichsten Engländer können 19 Jahre länger gesund leben als die ärmsten). In Deutschland kann der Unterschied bis zu 10 Jahren betragen, die jemand kürzer bzw. länger lebt (Selber schuld: Arm, kränker und früher Tod ).
Quelle: Telepolis
Anmerkung Mark Smith: Mehr als 70% der Unterschiede in der Lebenserwartung lassen sich durch Ethnie, Bildung und Einkommen erklären. Leider spielt im linksliberalen Mainstream ökonomisches und kulturelles Kapital kaum mehr eine Rolle, wenn es um Ungleichheit geht, weil ja andere identitätspolitische Kategorien Vorrang geniessen.
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Ende der Political Correctness. Geht’s dem Anstand an den Kragen?
Rassistische und sexistische Bemerkungen werden in Wahlkämpfen eingesetzt. Experte Nobert Bolz zum Paradigmenwechsel.
SRF: Wie definieren Sie Political Correctness?
Norbert Bolz: Als politischen Moralismus und als Sprachhygiene: ein neues Jakobinertum. Es geht also um den Tugendterror von Leuten, die alle politischen Fragen zu moralischen Fragen verkürzen und alle Andersdenkenden dann vor ein Tribunal rufen. Das funktioniert über einschüchternde Sprachtabus, die eine allgemeine Verunsicherung darüber erzeugen, was man überhaupt noch sagen darf.
Die AfD-Politikern Alice Weidel sagte kürzlich, die politische Korrektheit sei auf den «Müllhaufen der Geschichte» zu werfen. Stimmen Sie ihr zu?
Das Problem ist: Wer der AfD in irgendeiner Sache zustimmt, macht sich in Deutschland zum Rechtsextremen.
Politisch korrekt bedeutet auch, keine rassistischen oder sexistischen Witze zu machen. Ist es denn Ihrer Meinung nach falsch, auf einen gewissen Anstand zu pochen?
Den politisch Korrekten geht es nicht um Anstand, sondern um eine Sprachpolitik, die Andersdenkende zum Schweigen bringt. In Amerika nennt man das «Silencing».
Anmerkung Mark Smith: Gutes und wichtiges Interview mit Norbert Bolz über Political Correctness als politischer Moralismus und neues Jakobinertum.
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Eltern wollen traditionell leben
Laut einer Studie der Zeitschrift Eltern haben Familien andere Bedürfnisse, als sie oft von der Politik bedient werden.
Eltern in Deutschland klagen über Druck, ihre Kinder frühzeitig in eine Kita zu geben, anstatt sie selbst zu betreuen. Zudem wächst die Zahl derer, die eine traditionelle Rollenverteilung von Mann und Frau bevorzugen, ergab eine Studie.
Gemeinsam mit den Demoskopen von Kantar Emnid hat die Zeitschrift Eltern Familien zu deren Erfahrungen mit dem Spannungsfeld von Beruf und Familie befragt. Die wichtigsten Ergebnisse der repräsentativen Studie im Überblick:
- 86 Prozent aller Befragten sind der Meinung, Familien müssten sich heute eher dem Arbeitsmarkt anpassen als umgekehrt.
- 84 Prozent sagen, es werde von ihnen erwartet, ihr Kind möglichst früh in eine Kindertagesstätte zu geben.
- Nur elf Prozent der Eltern wollen innerhalb des ersten halben Jahres nach der Geburt wieder arbeiten. 51 Prozent finden hingegen eine Babypause von mindestens zwei Jahren richtig.
- Nur 29 Prozent geben an, mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf keine oder fast keine Probleme zu haben. 2013 lag dieser Wert noch bei 42 Prozent.
Quelle: Pro
Anmerkung Mark Smith: Politisches Establishment und Zivilgesellschaft wollen offenbar nicht immer dasselbe: geht vermutlich auch unter das Stichwort Maternalismus, wenn den Menschen nahelegt wird, wie sie am besten leben sollen.
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Suzie Grime: „Ich habe von meiner Mutter gelernt, mir keinen Bullshit gefallen zu lassen“
Von einer Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau sind wir noch meilenweit entfernt, sagt Youtuberin Suzie Grime. Wir haben mit ihr über Hass im Netz und darüber gesprochen, wer sie in ihrem Leben besonders geprägt hat.
„Die Masse an Anti-Feministen und Trollen ist nicht langsam gestiegen, sondern nahezu explodiert“
Sie ist bunt, sie ist laut und sie schert sich nicht so sehr darum, was sie vermeintlich sollte und was nicht. Angesprochen wird einfach alles, was der Youtuberin Suzie Grime wichtig ist und sie beschäftigt – und genau deshalb ist Mode ebenso ein Thema, wie Kiffen, Period Shaming oder Sexismus. Mit ihren Videos, die vor allem Spaß beim Zusehen machen, aber durchaus auch nicht vor politischen Themen zurückschrecken, erreicht sie ziemlich viele junge Menschen, denen sie damit aus dem Herzen spricht – aber leider auch ganz viele Trolle.
Quelle: Edition f
Anmerkung Mark Smith: Ich weiß zwar nicht, wie alt Suzie Grime ist, aber ich tippe, sie ist noch voll in der Adoleszenz. Als vordringlich erachtet sie, dass beispielsweise der Gender-Care-Gap geschlossen wird oder härtere Strafen bei sexualisierter Gewalt oder dass Männlichkeit neu definiert wird. Ich wüsste wieder einmal nicht, was es die Gesellschaft oder die Politik angehen, wie Privatpersonen ihre Haus- bzw. Sorgearbeit aufteilen; wie schon 100mal gesagt: Es ist keine Frau dazu gezwungen, mit einem Mann zusammen zu leben oder Kinder zu haben: alles freiwillig. Und was es die Gesellschaft oder die Politik angeht, wie jemand seine Männlichkeit aufbaut oder nicht aufbaut, modifiziert oder nicht modifiziert, geht ausserdem auch eine Suzie Grime nix an. Ich würde das alles unter dem Schlagwort Maternalismus subsumieren.
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Der Sieg von Macron wird die Krise der EU vertiefen
Sieben Irrtümer über den Wahlausgang in Frankreich.
Allenthalben herrscht Jubel über den Ausgang der französischen Präsidentschaftswahlen – mit dem Sieg von Emmanuel Macron im zweiten Wahlgang am 7. Mai. Nicht nur bei den Bürgerlichen, im demokratischen und teilweise auch im linken Lager gibt es ein positives Echo. Natürlich hat der Wahlausgang den einen Aspekt: Die Kandidatin der extremen Rechten – eine Rassistin und eine Förderin des Neofaschismus – wurde nicht französische Präsidentin. Gut so! Doch sollten Demokraten und Linke das Ergebnis dieser Präsidentschaftswahlen mit Skepsis betrachten. Im Folgenden sieben Irrtümer bei der Bewertung der Wahl in Frankreich.
Quelle: Rubikon
Anmerkung Mark Smith: Sieben Irrtümer sieht Winfried Wolf bei der Bewertung des Sieges von Macron bei den Präsidentschaftswahlen in Frankreich. Ein Irrtum sieht er darin, dass die Linke immer noch davon ausgeht, dass die EU eine liberale und demokratische und friedensliebende Veranstaltung sei. Mit dem Sieg von Macron sieht er einen Steigbügelhalter der deutschen Kapitalinteressen und dem internationalen Finanzsektor, dies könne dazu führen, dass die EU quasi deutsch-national gekapert und zu einem Kerneuropa-Staat unter deutscher Vorherrschaft transformiert würde mit entsprechender Militarisierung. Dieses Szenario dürfte nicht so falsch sein, da Europa ökonomisch und politisch längst von Deutschland dominiert wird und bislang fehlt nur noch die entsprechende Militarisierung.
Xavier Naidoo und die Marionetten
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Medienhetze gegen Systemkritik
Wenn ein prominenter Akteur den schmalen Pfad der politischen Orthodoxie verlässt, erschlagen ihn die Medien.
Xavier Naidoo ist einer der erfolgreichsten Sänger Deutschlands. Allerdings hat er einen Makel: Seine politischen Äußerungen missfallen einer Medienlandschaft, die sich Pluralismus auf die Fahnen schreibt, aber politische Meinungsvielfalt nur dann gutheißt, wenn sie sich in jenem engen Korridor bewegt, in dem die vorherrschende Sicht auf die Dinge als unantastbar gilt.
Gedanken zu einem Musterbeispiel bedenklicher journalistischer Einstimmigkeit.
„Marionetten“, das ist der Titel eines neuen Liedes von Xavier Naidoo und den Söhnen Mannheims. Das Stück handelt von Abgeordneten des Bundestages, die aus Sicht Naidoos Marionetten sind – Marionetten, an den Fäden von mächtigen Personen im Hintergrund.
Was diese Äußerungen für eine Medienlandschaft bedeutet, der Herrschaftskritik allenfalls noch als eigentümliches Relikt einer längst vergangenen Zeit bekannt ist, liegt nahe: Xavier Naidoo überschreitet, so der Tenor der derzeitigen Berichterstattung, eine Grenze – eine Grenze, die nicht hätte überschritten werden dürfen.
Und so formiert sich ein Journalismus, der anstelle von Aufklärung, Dialog und sachlicher Berichterstattung zu jenen Instrumenten greift, mit denen ein maximaler Grat an publizistischer Gewalt erreicht werden kann.
Quelle: Rubikon
Anmerkung Mark Smith: Xavier Naidoo hat offenbar wieder einmal etwas gesagt, was man in Deutschland nicht sagen sollte bzw. sagen darf. Am besten stimmt man dann in den Chor des Medienmainstreams ein oder man hält die Klappe, damit man selbst nichts vom Dreck abbekommt. Ich sehe die Sache jedoch so: Entweder ist eine Aussage durch die Meinungsfreiheit gedeckt und dann sehe ich nicht ein, weshalb dann quasi jemand medial mundtot gemacht werden soll oder sie ist durch die Meinungsfreiheit nicht gedeckt und wäre somit straf- oder zivilrechtlich zu ahnden. Marcus Klöckner bringt m.E. gute Argumente hervor, weshalb die Medien-Schlammschlacht gegen Xavier Naidoo deplatziert ist.
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Xavier Naidoo und das „besetzte Land“
Wieder mal ist die Aufregung groß: Popstar Xavier Naidoo hat sich doch tatsächlich erneut politisch „rechts“ geäußert! Ein Skandal – so zumindest liest man es in diesen Tagen in vielen Medien. Sein aktueller Song „Marionetten“, in dem er Abgeordnete als „Steigbügelhalter“ und „Sachverwalter“ im Dienste von „Puppenspielern“ bezeichnet, lässt die Gemüter hochkochen. Keine echte Demokratie in Deutschland? Das kann ja wohl nicht sein!
Spiegel Online ist sich sicher: Der Sänger positioniere sich „endlich unverstellt als der rechtspopulistische Hetzer und Verschwörungstheoretiker, für den ihn viele schon lange gehalten haben“. Und für das Hamburger Abendblatt ist Naidoo „in Wirklichkeit vor allem wohl ein sehr deutscher Neurotiker“.
Quelle: NachDenkSeiten
Anmerkung Mark Smith: Auch Paul Schreyer kann dem Medien-Bashing gegen Xavier Naidoo nichts Positives abgewinnen und ist somit einer der Wenigen, die wieder einmal gegen den Strom schwimmen und zwar mit guten Argumenten.
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Alles nur ein Missverständnis
Der Sänger hat den oberbürgermeisterlichen Demokratietest bestanden. Er darf weiter antisemitische Verschwörungstheorien trällern.
Nach dem Treffen zwischen dem Oberbürgermeister und den Söhnen Mannheims habe der Sänger Xavier Naidoo das Gefühl, „das Wort für die Kunst ergreifen zu müssen“, schrieb er am Dienstag auf seiner Facebook-Seite. Die Diskussion um den neuen Söhne-Song „Marionetten“ sei lediglich auf Missverständnisse zurückzuführen – bei dem Text handele es sich „um eine zugespitzte Zustandsbeschreibung gesellschaftlicher Strömungen, bewusst überzeichnet“.
Alles also nur Zuspitzung, Überzeichnung, Missverständnis. Eine klassisch relativierende Nicht-Entschuldigung. Die nichts wert ist, da Naidoo seit Jahren vollkommen bewusst mit genau den Ressentiments spielt, von denen er sich jetzt scheinheilig distanziert. Die übliche Ausrede nach Rassismus- und Antisemitismusvorwürfen ist auch dabei: Naidoo schätze sich glücklich, „viele Freunde jeglicher Nationalität und jeglichen Glaubens“ zu haben. Damit beweist er erneut, dass er kein Verständnis dafür hat, wie Antisemitismus funktioniert.
Quelle: taz
Anmerkung Mark Smith: Ganz anders sieht dies selbstverständlich die taz, die bei solchen Themen immer ganz genau weiss, was richtig und was falsch ist und vor allem, wer die Guten und wer die Bösen sind. Die Guten sind dabei bei der taz meist die, die eine hegemoniale diskursive Position vertreten. Die taz zeigt eigentlich schon längst auf, dass sie bei gesellschaftlich harten Themen wie Politischer Ökonomie, Geopolitik, Krieg und Frieden etc. längst zu einem Heuchler- und Mainstreammedium geworden ist, das sich bei diesen Themen nicht mehr gross von der BLÖD unterscheidet.
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„Wir haben die Emanzipation nur halb gar gewollt“
Ein Gespräch mit Antje Schrupp über pseudofeministische Argumente, kurzsichtige Maßnahmen und warum nicht alle Frauen Ingenieurinnen werden müssen.
ZEIT ONLINE: Frau Schrupp, wie bewerten Sie die Frauenpolitik der Bundesregierung in den vergangenen vier Jahren?
Antje Schrupp: Ich glaube, die jetzige Bundesregierung unterscheidet sich nicht wesentlich von den 20, 30 Jahren davor. Grundsätzlich ist das Problem an allen politischen Maßnahmen zur Gleichberechtigung, dass sie nur einzeln geplant werden und nicht das große Ganze der Geschlechterverhältnisse im Blick haben.
ZEIT ONLINE: Was meinen Sie damit?
Schrupp: Es geht meist nur um offensichtliche Ungerechtigkeiten. Wenn der Status der Frauen, die gesetzlich oder wirtschaftlich benachteiligt sind, lediglich an den der Männer angeglichen wird, löst das nicht das grundsätzliche Problem. Das ist gut an der Diskussion über den Gender Pay Gap zu sehen. Der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern lässt sich zwar beziffern auf diese 20 bis 22 Prozent, aber die Ursachen für diesen Pay Gap sind vielseitig.
Auch die Einführung des Elterngeldes war kontraproduktiv. Was sich auf den ersten Blick gut anhört, bedeutet in der Umsetzung, dass Frauen mit guten Berufen und gut bezahlten Arbeitsplätzen mehr Geld vom Staat bekommen als arme Frauen. Der größte Skandal war aber, dass der Mindestbetrag von 300 Euro, den Hartz-IV-Empfängerinnen bekommen, nun auch noch mit Hartz IV verrechnet wird. Den armen Frauen ist das Elterngeld also gestrichen worden, während den reichen Frauen mehr Elterngeld gegeben wurde. Und das alles mit pseudofeministischen Argumenten, man wolle Frauen und Männer gleichstellen.
Quelle: ZEIT
Anmerkung Mark Smith: Antje Schrupp durfte auch wieder einmal ein Interview in der ZEIT geben. Mir ist ja Schrupp nicht sooo wahnsinnig sympathisch, aber hier im Interview macht sie doch noch einen relativ vernünftigen Eindruck und fällt nicht gleich in die Opferrolle, wie das sonst häufig bei den Medien-Feministinnen zu beobachten ist. Aber weshalb nun die Sorge- oder Carearbeit quasi auch noch durch die Politik durchdrungen werden soll, ist für mich völlig unverständlich. Wer wie viel Sorgearbeit leistet, geht den Staat primär nichts an und ist m.E. auch primär nicht die Aufgabe des Gemeinwesens, sondern privater Akteure. Erst wenn die privaten Akteure sich selbst nicht mehr helfen können, hat das Gemeinwesen subsidiär einzuspringen.
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Will oder kann Schäuble nicht verstehen?
So ist das, wenn ein Mensch – wenngleich in hohem Alter – partout nicht lernen will: Er sagt immer wieder die gleichen falschen Sachen und macht sich lächerlich. Wie aber kann es sein, dass die Deutschen sich einen Finanzminister leisten, der Jahr um Jahr immer wieder Sachen sagt, die eindeutig falsch sind?
Und wie kann es sein, dass es in den gesamten großen Medien offenbar keinen logisch denkenden Menschen mehr gibt, der das Falsche auch falsch nennt? Und wie kann es sein, dass die kleinere Koalitionspartei das einfach hinnimmt, und zwar auch genau jetzt, wo es drauf ankommt, mit dem neuen französischen Präsidenten auf eine Weise zu reden, die Kommunikation unter vernünftigen Menschen ermöglicht und nicht sofort wieder Öl in das ohnehin lodernde europäische Feuer gießt.
Quelle: Makroskop
Anmerkung Mark Smith: Das eigentliche Problem der Eurokrise, der schlechten ökonomischen Entwicklung in Europa, der deflationären Tendenzen etc. sieht Flassbeck vor allem in der Austeritätspolitik und in Deutschland, das seit Jahren Lohndumping betreibt auf Kosten aller anderen Länder und dadurch einen exorbitanten Leistungsbilanzüberschuss hat. Was nach Flassbeck vermutlich den Euro und die EU auseinanderbrechen lässt. Ok, Flassbeck hat die Tendenz zur Schwarzmalerei, aber m.E. einer der besten Ökonomen auf der Welt. Wer ein bisschen mehr wissen will, soll sich doch mal das folgende Video anschauen.
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Ohne Schwarzweiß-Malerei geht gar nichts mehr
Ein neues ideologisches Zeitalter
Wer Gutes über Russland berichtet, gilt als „Putinversteher“. Wer Probleme der Europäischen Union anspricht, wird zum „Europafeind“. Und zum „Globalisierungsgegner“, wer globale Missstände anprangert. Schriftsteller Bodo Morshäuser über Kampfbegriffe des Mainstream.
Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde ein paar Jahre lang der Traum geträumt, das Zeitalter der Ideologien, Demagogie und Propaganda sei vorüber. Heute gehört diese Hoffnung der Vergangenheit an. Wir leben längst im nächsten ideologischen Zeitalter. Ohne Schwarzweiß-Malerei geht gar nichts mehr.
Wenn gegen globale Missstände demonstriert wird, für die die neoliberale Auslegung der Globalisierung verantwortlich gemacht wird, hören solche Demonstranten oft, sie seien „Globalisierungsgegner“. Obwohl die Mehrheit nur eine andere Art von Globalisierung als die bestehende will, und nicht vorhat, ihre in China gefertigten iPhones wegzuwerfen. Mit der Titulierung „Globalisierungsgegner“ soll genau dieser Veränderungswille bestritten werden.
Oder wenn gesagt wird, die EU, so, wie sie besteht, bringe zu viele Probleme und müsse verändert werden, kommt es häufig vor, dass selbsternannte „Pro-Europäer“ rufen, diese Kritiker seien „Europagegner“ oder „Europafeinde“. Obwohl Veränderungen der EU aus Sorge um ihren Weiterbestand gefordert werden. Aber genau das soll mit solchen Kampfbegriffen in Zweifel gezogen werden. Übrigens abgesehen davon, dass die EU nicht Europa ist.
Quelle: Deutschlandfunk Kultur
Anmerkung Mark Smith: Super Essay von Bodo Morshäuser über ein neues ideologisches Zeitalter, das vor allem mit Kampfbegriffen operiert und somit jegliche Debatte und Diskussion zum Scheitern verurteilt. Es geht dabei primär um diskursive Ausgrenzung und nicht um Habermasschen Diskurs bzw. Deliberation.
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Trump erfüllt die Erwartungen – der Superreichen!
Was neben der US-Anti-Russland-Hysterie droht, übersehen zu werden: Donald Trump tut alles für die Superreichen – mit Erfolg.
Die NZZ kann frohe Botschaften verkünden: «Der Umsatz der im S&P-500-Index enthaltenen Konzerne dürfte in dem Zeitraum (1. Quartal, Red.) um 13% und der Gewinn um 9% gestiegen sein. Allen vorangestürmt waren die Konzerne der Technologiebranche, die trotz ihrer enormen Größe abermals beachtliche Umsatz- und Gewinnzuwächse verbuchen konnten.»
Man liest richtig: Die Umsatz- und Gewinnzuwächse stiegen «trotz» der enormen Grösse der Konzerne. Ist unser kapitalistisches Wirtschaftssystem denn so konstruiert, dass üblicherweise die Kleinen gewinnen?
Quelle: Infosperber
Anmerkung Mark Smith: Dass Trump und die Millionäre und Milliardäre gut zusammenpassen, dürfte kein Geheimnis sein, auch wenn ein großer Teil des politischen Establishments in den USA gegen Trump war. Trump war ein Quereinsteiger in die Politik und hat das politische Establishment übergangen, das war demzufolge ein interner Machtkampf zwischen einem Newcomer und dem politischen Establishment, aber sonst haben sie hinsichtlich der politischen Inhalte mehr oder weniger das Heu auf der gleichen Bühne. Dementsprechend: Den kleinen Leuten wird es in den USA unter der Präsidentschaft Trump nicht viel besser gehen oder dann höchstens auf Kosten der peripheren Länder dieser Welt.