„Für die Masse an besoffenen Vollidioten waren viel zu wenig Polizisten da! Überall wurden Mädchen beschimpft und begrabscht. Ich habe noch nie so viele heulende Frauen gesehen – Frauen, die so voller Angst waren. Schlimm war, dass ich die ganze Zeit nicht wusste, was eigentlich los war.“
So berichtet in der Süddeutschen Zeitung eine einunddreißigjährige Frau, dort Steffi genannt, wie sie die Situation am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht erlebt hat. Sie war mit einer Freundin am Bahnhof verabredet, habe aber im Gedränge für eine kurze Strecke von wenigen Metern eine Viertelstunde gebraucht.
„In dieser Situation fiel mir zum ersten Mal auf, dass alles voll war mit arabisch oder nordafrikanisch aussehenden Männern. Man muss vorsichtig sein, wenn man so etwas sagt, aber es ist mir wirklich aufgefallen. Und ich komme aus der sozialen Arbeit, ich habe Freunde aus allen möglichen Kulturkreisen. Ich stand da und habe kein Wort verstanden von dem, was um mich herum geredet wurde. Immer wieder wurden anzügliche Bemerkungen gemacht. Die Beschimpfungen habe ich dann doch verstanden. Im Laufe der Nacht wurde mir mehrmals ‘Schlampe’ an den Kopf geworfen, ‘Fotze’ und ‘dumme Hure’.“
Die Freundin hingegen „hatte Glück. Sie war mit syrischen Freunden unterwegs und wurde in Ruhe gelassen.“ Dass die Täter Flüchtlinge waren, hält sie für ausgeschlossen – sie hätten sich am Hauptbahnhof offenbar sehr gut ausgekannt und müssten offenkundig „schon länger hier sein.“
Von der Polizei wird diese Darstellung mittlerweile im Wesentlichen bestätigt. Polizeipräsident Wolfgang Albers: „Es hat in sehr hoher Anzahl Sexualdelikte gegeben, auch in sehr massiver Form”, oft verbunden mit Diebstählen, mindestens einer Vergewaltigung, mit etwa 90 Anzeigen Betroffener bis zum Dienstag. Allerdings gäbe es keine tausend Täter, wie verschiedentlich berichtet wurde. „Es gibt eine Gruppe von etwa tausend Menschen, aus der heraus Straftaten begangen wurden.”
Die Taten sind brutal, Steffis Schilderung in der Süddeutschen Zeitung ist alptraumhaft. Die öffentliche Debatte aber, die darauf folgt, hat nicht nur in den sozialen Netzwerken auch absurd-komische Züge, die im Kontext der Gewalttaten sehr bitter sind – die aber viel über die Strukturen heutiger öffentlicher Debatten verraten.
Von Strohmännern und schiefen Vergleichen
„Man muss vorsichtig sein, wenn man so etwas sagt“: So eindeutig brutalisiert und verachtungsvoll die Taten auch sind – es fällt in den Folgetagen vielen schwer, klare Worte dazu zu finden. Obwohl einzelne Medien früh berichten und die Überfälle in Köln schnell Thema in sozialen Medien sind, wird das Geschehen erst mit vier Tagen Verspätung zu einem Skandal. Dann beherrscht es die Schlagzeilen:
Justizminister Heiko Maas erkennt eine „völlig neue Dimension organisierter Kriminalität“ , die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer eine „komplett neue Dimension, die in keiner Weise toleriert werden darf und auf die mit aller Härte reagiert werden muss“, Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet eine „harte Antwort des Rechtsstaats“ , und Familienministerin Manuela Schwesig stellt klar: „Frauen sind kein Freiwild. Übergriffe auf Frauen – welcher Art auch immer – nehmen wir nicht hin.”
Die verzögerte Reaktion hat ihren Grund ganz offensichtlich auch darin, dass die Taten gewohnte Feindbilder durcheinanderbringen. Die ARD-Redakteurin Anne-Mareike Krause relativiert die Taten durch einen Bezug zum jährlichen Oktoberfest:
Wenn sexuelle Gewalt etwas mit herkunftsbedingten Männlichkeitsnormen zu tun hat, dann hätte ich ein paar Fragen zum Oktoberfest.
— Anna-Mareike Krause (@mlle_krawall) 4. Januar 2016
Die „neue Qualität der Übergriffe” bestehe lediglich darin, dass nun den Opfern – ausnahmsweise einmal – geglaubt werde. Der schiefe, verharmlosende Oktoberfest-Vergleich ist wohl auch deswegen auf Twitter so beliebt, weil er eine Rückkehr zum Gewohnten ermöglicht: Männlichkeit allgemein sei das Problem, möglicherweise gar die bayerische Männlichkeit im Besonderen – und nicht etwa der kulturelle Hintergrund oder die fehlende soziale Einbindung von einigen Migranten. Anne Wizorek pflichtet bei: So zu tun, als würden solche Taten nur von Migranten begangen, „und weiße „biodeutsche“ würden dagegen niemals was schlimmes tun, ist und bleibt rassistische hetze.“
Schon die Emma macht darauf aufmerksam, dass Wizorek hier einen Strohmann aufbaut:
„Bleibt nur noch die Frage: Wer hat im Zusammenhang mit den Kölner Übergriffen je behauptet, „weiße Biodeutsche“ würden niemals was Schlimmes tun?“
Überhaupt hat Alice Schwarzers Zeitung erkennbar wenig Probleme damit, die Taten von Köln in das eigene Weltbild einzubauen: Dass Männer, und muslimische Männer im Besonderen, potentiell immer gewalttätig sind, verkündet das Magazin schließlich schon lange. Nun berichtet es über „Männer in großen Rudeln“, die „über Frauen herfallen“, und über „aggressive und betrunkene Männerrotten“, die „massenhaft Frauen belästigen“. Unklar bleibt lediglich, ob Schwarzers Magazin die Vergleiche von Männern mit Tieren ganz in Ordnung findet, weil es um ausländische Männer geht – oder die Vergleiche von Ausländern mit Tieren, weil es männliche Ausländer sind. Vermutlich ist es auch egal – die Emma hat es ja ohnehin schon alles immer gewusst:
„Sie stehlen den Frauen nicht nur das Handy, sie stehlen ihnen auch die Würde. So wie Männer es seit Jahrhunderten tun, überall auf der Welt, allerdings in der Regel in Häusern, hinter verschlossenen Fensterläden, im Verborgenen. Die ‚neue Qualität’ der Übergriffe am Hauptbahnhof liegt in der Enthemmtheit, diese Gewalt in der Öffentlichkeit auszuüben.“
Etwas unsicherer ist sich zuvor noch die Aufschrei-Mitinitiatorin Jasna Strick. Die schreibt so, als würde sie möglichst frühzeitig eine Bewerbung für den dämlichsten Tweet des Jahres einreichen wollen:
Die Täter in Köln haben angeblich Gemeinsamkeiten in der Herkunft – aber auch im Geschlecht. Tja, was nun?!
— Tugendfurie (@Tugendfurie) 4. Januar 2016
Möglicherweise weiß Strick selbst nicht so genau, was sie damit eigentlich sagen wollte. Wollte sie eine Antwort auf Rechtsradikale geben, die nur auf die Herkunft der Täter blicken – obwohl doch selbstverständlich nur auf ihre Geschlechtszugehörigkeit geblickt werden sollte? Wollte sie eine Überlegung dazu anstellen, dass die Taten auf jeden Fall verallgemeinert werden sollten – dass nur die Kategorie der Verallgemeinerung (Herkunft, Geschlecht, oder noch eine andere?) nicht ganz klar sei?
Da ist Antje Schrupp zum Glück weniger beeindruckt:
„Und alles, was sich aus den Kölner Ereignissen bisher ablesen lässt ist, dass es auch unter nordafrikanisch aussehenden Männern gewalttätige Arschlöcher gibt.“
Dass es unter Männern gewalttätige Arschlöcher gibt, war eh schon immer klar, nun ist also lediglich klargestellt, dass „nordafrikanisch aussehende“ Männer keine Ausnahme bilden. Soll aber bloß niemand auf die Idee kommen, weiße heterosexuelle Männer wären hier ausnahmsweise mal nicht Schuld, „dieser rechte Sumpf, der verhindert, dass real bestehende Probleme angegangen und thematisiert werden.“
Von richtigen Opfern und falschen Tätern
Nun finde ich den „rechten Sumpf“ ja auch ausgesprochen eklig, möchte aber trotzdem die verwegene These in den Raum stellen, dass ab und zu durchaus auch andere Menschen für irgendetwas verantwortlich sein können. „Ganz Schlaue wissen, dass die Feministinnen schuld sind, weil sie zwar wegen harmlosen Witzen Aufschreie veranstalten, aber nicht wegen so was.“ So Schrupp. „Auch die Feministinnen stehen am Pranger, weil sie sich über harmlose Herrenwitze aufregten, aber nicht sofort wegen Köln Alarm schlugen.“ So die Tagesspiegel-Kommentarin Claudia Keller, die sich gern bei Schrupp bedient. Beide beziehen sich wohl auf Birgit Kelle, die geschrieben hatte:
„Und während man spontan vermutet, in einem Land, in dem jedes falsche Wort und jeder vermeintlich falsche Blick zu einem feministischen #aufschrei führt, weil Mann sich angeblich falsch benommen hat, bleibt das feministische Netz angesichts dieser unglaublichen Vorgänge in Köln stumm.“
Kelle sieht also eine günstige Gelegenheit, die Aufschrei-Debatte noch einmal aufzuwärmen, gibt aber keineswegs Feministinnen die Schuld an den Taten von Köln – sie fragt allerdings, ob es Feministinnen nicht möglicherweise weniger um den Schutz von Frauen als um die Pflege von Feindbildern ginge. „Es waren wohl die falschen Täter.“
„Der falsche Täter“ – damit überschrieb die taz schon vor fast genau einem Jahr einen Artikel, der wieder aktuell geworden ist. Erinnert sich noch jemand an Khaled Idris Bahray?
Der zwanzigjährige Asylbewerber aus Eritrea war in Dresden mit Messerstichen in Hals und Oberkörper ermordet worden. Da es nahe lag, den Mord mit Pegida-Veranstaltungen in Verbindung zu bringen, wurde er schnell als Opfer rechter Gewalt wahrgenommen. Von Dresden bis Berlin demonstrierten viele Tausende, der junge ermordete Mann wurde zu einer Ikone, sein Bild vielfach auf Demonstrationen getragen.
Als sich jedoch herausstellte, dass er nicht von deutschen Rechten, sondern von einem anderen Asylbewerber ermordet worden war, war er schlagartig wieder uninteressant, wurde vom betrauerten Märtyrer wieder zu einem unbekannten toten Mann aus Eritrea.
Dabei hätte auch der Mord durch einen anderen Asylbewerber gerade für Linke wichtig sein müssen, weil er Anlass dafür war, Bedingungen der Flüchtlingsunterbringung zu überprüfen. Darum aber ging es offenkundig nicht – sondern um die Pflege von klaren Freund-Feind-Strukturen. Khaled Idris Bahray war genau so lange interessant, so lange sein Tod dafür nützlich war – als sein Tod in diese klaren Strukturen nicht mehr eingepasst werden konnte, verschwanden auch seine Bilder von Demonstrationen.
Von Filterbubbles und Schützengräben
Eben dadurch werden viele Diskussionen über die Angriffe von Köln und anderswo auf so bittere, absurde Weise komisch: Ganz unterschiedliche Gruppen versuchen hier, ihre mitgeführten Freund-Feind-Muster an eine Situation anzupassen, von der eigentlich alle gemeinsam überfordert sind. Zu allem Überfluss werfen sich viele von ihnen gegenseitig vor, die Situation bloß für eigene Zwecke zu instrumentalisieren – durchaus zutreffend, aber eben ohne zumindest einen vorsichtigen Seitenblick auf die eigenen Positionen zu werfen. Dabei ist die Silvesternacht von Köln vor allem ein Beispiel dafür, dass gemeinsame Interessen – und nicht nur Gruppeninteressen – bedroht sind.
Der Platz vor dem Bahnhof ist ein öffentlicher Ort – der Kölner Bahnhof ist einer der wichtigsten deutschen Verkehrsknotenpunkte im öffentlichen Personenverkehr – die Silvesterfeier ist eine der wichtigsten Feiern des Jahres, zudem anders als das Weihnachtsfest eine Feier, die zu großen Teilen öffentlich stattfindet. Eigentlich könnte es in der Diskussion darum gehen, dass öffentliche Orte sicher für alle sein müssen – und dass alle eine Verpflichtung haben, diese Rechte anderer zu beachten – und dass diese Rechte und diese Verpflichtungen unabhängig von der Staatsangehörigkeit gelten.
Statt aber auf solchen Selbstverständlichkeiten zu beharren, versuchen viele Diskutanten vor allem, die gewohnten Schützengräben zu sichern. Einfach ist das für Rechtsradikale, die ohnehin den Schutz weißer deutscher Frauen vor dunkelhäutigen Eindringlingen beschwören – einfach ist es auch für die Emma, die schon lange ihre Ressentiments gegen Männer mit Ressentiments gegen Muslime verbunden hat. Schwieriger wird es für andere Feministinnen, die nun schräge Vergleiche zum Oktoberfest bemühen, um ihr angestammtes Ressentiment gegen weiße heterosexuelle Männer durch die Situation zu retten – und die auch ansonsten die Übergriffe gegen Frauen als „Vorfälle“ verharmlosen.
Das ist die Diskussion einer Gesellschaft, die nicht erst durch den Zuzug von Flüchtlingen und Migranten desintegriert ist. Es ist eine Diskussion, in der es um Safer Spaces für wenige anstatt um eine sichere Öffentlichkeit für alle geht – in der Rechtsradikale sich als Bürgerwehr inszenieren und zur Hatz auf Ausländer blasen, weil öffentliche Institutionen ja ihren Job nicht erledigen würden – oder in der die Situation zum Anlass genommen wird zu fordern, dass Jungen gefälligst Respekt vor Mädchen zu erlernen hätten (während im selben Text erklärt wird, wie sehr es zum Kotzen sei, dass die Taten von Köln instrumentalisiert würden).
Die eben zitierte Antje Schrupp schreibt auch:
„Ich weiß nicht, ob es bei der Polizei oder den Medien Leute gibt, die einen eventuell ausländischen Hintergrund von Gewalttätern kleinreden oder leugnen oder verschweigen, aus Angst dadurch rassistischen Pöbel in Gang zu setzen. Aber wenn es so wäre, dann hätten sie leider allen Grund dazu: Denn einen eventuell ausländischen Hintergrund von Gewalttätern zu benennen, das setzt leider unter Garantie den rassistischen Pöbel in Gang.“
Diese Haltung ist möglicherweise Resultat eines allzu ausgiebigen Aufenthalts in den Filterbubbles des Internets. Wer bei Twitter jemanden blockiert, kann den Eindruck bekommen, dass dieser Mensch nicht mehr da ist. Wer im Netz andere aus den eigenen Filterbubbles hinausdrängt, muss sie nicht mehr wahrnehmen. Wer aber außerhalb des Netzes andere aus öffentlichen Diskussionen verdrängt, kann nicht ernsthaft erwarten, dass diese Menschen dann tatsächlich verschwinden.
Wenn die Medien, so Jan Fleischhauer im Spiegel, „eher einem pädagogischen als einem journalistischen Auftrag folgen“, also sorgfältig auswählen, mit welchen Informationen die Öffentlichkeit vernünftig umgehen kann und welche Informationen ihr lieber verschwiegen werden sollten – dann verschwindet auch ein gemeinsamer öffentlicher Raum der Verständigung. Diskussionen werden dann ganz in Filterbubbles geführt, in denen Widerspruch schon als Skandal gilt und Widersprechende weggebissen werden. Das macht dann zum Beispiel den Weg frei für beliebige Beschuldigungen von Flüchtlingen – und da der öffentlichen Informationspolitik ohnehin nicht zu trauen wäre, lässt sich in rechten Filterblasen jeder, der rechtsradikalen Schreckensfantasien Grenzen setzen möchte, als naiver „Gutmensch“ oder als böswilliger „Linksfaschist“ hinstellen.
Der Begriff der „Integrationspflicht“ ist in dieser von gedanklichen Schützengräben durchzogenen Debattenlandschaft tatsächlich eine Provokation – und wird dementsprechend lächerlich gemacht (Robin Alexander denkt bei der Gelegenheit in der Welt sogleich an Häkelkurse für die Integration) oder als „völlig absurd“ beiseite geschoben. Dabei ist der Begriff sehr sinnvoll – wenn er nicht allein auf Einwanderer bezogen wird, sondern generell auf die Frage, unter welchen Bedingungen sich denn verschiedene unterschiedliche Interessen im Sinne gemeinsamer Interessen integrieren lassen.
Natürlich verlangt das Menschen etwas ab – und sei es nur eine Verpflichtung zur Anerkennung der Rechte anderer oder zu einer grundsätzlichen Reziprozität (Die Rechte, die ich einfordere, gestehe ich auch Dir zu). Die Alternative zu einer solch basalen Integration ist aber erheblich schlechter – und das macht zum Beispiel die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ganz aus Versehen deutlich.
„Gegen diese neue Dimension von Gewalt und sexuellen Übergriffen durch Männer-Banden müssen und werden Polizei und Justiz konsequent vorgehen.“
Der Begriff „Männer-Banden“ erscheint Kraft wohl als völlig unproblematisch, so wie in der Emma die entmenschlichende Rede von den Männerrotten und Männerrudeln. Die Gewalt in Köln als Gewalt von Männern gegen Frauen zu verstehen, ist hier irgendwie und selbstverständlich ganz in Ordnung – sie als Gewalt von Ausländern gegen Deutsche („Ausländer-Banden“) oder Muslimen gegen Christen („Moslem-Banden“) zu beschreiben, würde hingegen mit guten Gründen Rechtsaußen-Positionen zugeordnet werden.
Es verschwindet dabei die Vorstellung, dass all diese Verallgemeinerungen falsch sind, und dass durch die Täter am Kölner Hauptbahnhof Interessen aller anderen verletzt wurden, auch die von Männern – von denen übrigens einige versucht haben einzugreifen, von denen viele selbst hilflos waren. Männer bilden zudem den größten Teil der Polizeikräfte, die nun zu Hilfe gerufen werden. Wer das aber öffentlich so sagte, könnte sich noch so sehr beeilen klarzustellen, dass die Angriffe natürlich gezielt Frauen galten, dass dies nur eben nicht bedeute, hier würde ein Krieg von Männern gegen Frauen geführt – er würde rituell als Vertreter einer männlichen „Opferideologie“ (Hinrich Rosenbrock von der grünen Heinrich-Böll-Stiftung) entlarvt werden, ehe er noch zum ersten Nebensatz gekommen ist.
Dass Frauen vor Gewalt zu schützen sind, ist offenbar der einzige Minimalkonsens, zu dem die zerklüftete öffentliche Debatte noch fähig ist. Das ist wichtig, aber es reicht nicht – und dies nicht nur, weil es Männer aus dem Anspruch auf Schutz ausschließt und ihnen rituell die Rolle potenzieller Gewalttäter zuweist.
Die ausschließende Fixierung auf den Schutz von Frauen und die Kultivierung entsprechender Feindbilder – seien es nun muslimische Männer oder white heterosexual males – gehört in eine Ethik für Kriegs- und Katastrophensituationen, in denen der Fortbestand der Gruppe gesichert werden muss, ganz gleich zu welchem Preis. Sie gehört in Bürgerkriegsszenarien, die nun von rechtsradikalen Gruppen sehnsüchtig entwickelt werden. Sie gehört in das Selbstbild einer überforderten Politik, die nicht mehr das Gefühl hat, den Aufgaben gewachsen zu sein, vor denen sie steht.
Sie gehört aber eben nicht in die Ethik einer zivilen Gesellschaft.
Eine ausführliche Zusammenstellung von Beiträgen zum Thema findet sich im Blog Alles Evolution.
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