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Feministen haben besseren Sex und gehen Frauen auf den Keks

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Eine Collage

„Besserer Sex, gerechtere Welt: Es lohnt sich, für Frauenrechte zu kämpfen.“

Mit dieser Verheißung leiten Vincent-Immanuel Herr und Martin Speer in der Zeit eine „Anleitung von Männern für Männer“ ein, die dabei helfen soll, „sich mit Recht Feminist nennen“ zu können:

Deutschland braucht mehr Feministen“.

Herr Herr und Herr Speer sind „Aktivisten und Autoren aus Berlin“ und werden von der grünen Heinrich-Böll-Stiftung unterstützt.

Nur fünf Tage später veröffentlicht die Feministin Nadia Shehadeh bei der linken Zeitung analyse & kritik den Text „Men to watch out for“, was sich ebenso mit „Männer, nach denen du Ausschau halten musst“ wie mit „Männer, vor denen du dich in Acht nehmen musst“ übersetzen lässt. Auch Frau Shehadeh ist selbstverständlich eine „Aktivistin“, zudem eine Bloggerin. Sie beginnt ihren Text ganz anders als Herr Herr und Herr Speer:

„Wann immer es in meiner feministischen Laufbahn um feministische Cis-Männer ging, (…) kam es zu gespenstischen Szenen und Erlebnissen, von denen ich die meisten gerne vergessen würde.“

Sie legt eine Klassifikation männlicher Feministen vor, die ihr allesamt „auf den Keks” gehen: etwa der  Typus des Keks-Feministen, der beständig Belohnungen für seine aufrechte Gesinnung erwarte, des Breitbein-Feministen, der den Frauen den Raum nehme, oder den des feministischen Boyfriends, der auch nicht besser sei als andere Männer.

feminist

Ein Magazin, das der britische Telegraph bei Twitter gefunden hat…

Der heutige Feminismus, so scheint es, ist ein erfolgreiches Label, mit dem sich praktischerweise eine Position und immer auch zugleich ihr Gegenteil vertreten lässt – dies jeweils mit einem Gestus unerschütterlicher Überzeugung, der jeden Widerspruch allein auf das Konto einer reaktionären, vorgestrigen Gesinnung oder auf den verbissenen Versuch der Privilegiensicherung buchen kann.

Während Herr Herr und Herr Speer Männern frohgemut die Wandlung zum Feministen anempfehlen, ist bei Frau Shehadeh nicht ganz deutlich, ob Männer eigentlich überhaupt eine Chance haben, irgendetwas richtig zu machen.

„Auch der Boyfriend einer Feministin gehört zum unnützen Krempel von »all men«“.

Der Text der jungen Männer ist schon anderswo kommentiert worden, und so, dass ich kaum etwas hinzufügen könnte. Lieber höre ich Frau Shehadeh zu:

„Üben Sie sich zukünftig in Zurückhaltung und halten Sie öfter mal die Klappe, dann sind alle anderen schneller fertig. Sie können sich sinnvoll beteiligen, indem Sie feministische Arbeit (…) durch eigene Unsichtbarmachung unterstützen.“

Als Gentleman alter Schule kann ich einer Dame eine so freundlich formulierte Bitte natürlich nicht abschlagen. Also verzichte ich im Weiteren darauf, eigene Kommentare abzugeben, sondern zitiere lediglich die beiden Texte im Wechsel und bringe sie dadurch ins Gespräch – Herr, Speer und Shehadeh haben ohnehin mehr Kluges zu sagen, als ich es mir jemals ausdenken könnte.

Den Text von Herrn Herr und Herrn Speer setze ich ganz normal, den von Frau Shehadeh fett, um ihr den ihr gemäßen Raum zu lassen. Ich setze nicht einmal Auslassungszeichen, weil ich natürlich den Textfluss nicht dadurch beschädigen will, dass ich völlig sinnfrei auf mich selbst aufmerksam mache. Ab und zu füge ich allerdings Zwischenüberschriften fett und kursiv ein – die sind selbstverständlich nicht als ein Dazwischenreden meinerseits konzipiert, sondern sollen lediglich meinen solidarischen Support symbolisieren.

 

Besserer Sex, gerechtere Welt: Es lohnt sich, für Frauenrechte zu kämpfen. 

Dabei gibt es gute Gründe, als Mann ein Feminist zu sein und sich auch so zu bezeichnen. Wer möchte nicht in einer ausgeglicheneren Beziehung leben, ein besseres höheres Selbstwertgefühl und besseren Sex haben?

Der Keks-Feminist ist auf der Suche nach ständigen Belohnungen beziehungsweise erwartet diese auch – und zwar immer dann, wenn er etwas (vermeintlich) Feministisches gesagt/getan/gedacht/erahnt hat.

Doch Männer sollten nicht nur Feministen sein, weil sie selbst Vorteile davon haben. Ein echter Feminist glaubt daran, dass Frauen und Männer gleich viel wert sind und gleich viel zu sagen haben.

Der Breitbein-Feminist gehört zur Gattung der männlichen Feministen, die sich überall breitmachen und Raum einnehmen müssen: auf Veranstaltungen, auf Demos, im Internet, in Expertengremien und überhaupt überall dort, wo Kameras, Mikros, Geld oder Aufmerksamkeit locken.

Wo sind eigentlich die Männer, die sich leicht bekleidet auf Neuwagen rekeln, um deren Attraktivität zu erhöhen?

Wenn niemand Lust auf den Breitbein-Feministen hat, lässt dieser sich trotzdem nicht davon abhalten, ins Rampenlicht zu drängen: Er wird versuchen, mit irgendeinem Marketing-Gag der Feminist der Herzen zu werden. 

 

Gleichberechtigung

Frauen als gleichberechtigte Partner zu behandeln, ist gar nicht so schwer.

Auch der Boyfriend einer Feministin gehört zum unnützen Krempel von »all men«, und nichts schützt ihn davor, ein hohlbrotiger Keks- oder Breitbein-Feminist zu sein. Es ist möglich, dass er nach Beziehungsende auf das Level »durchschnittlich frauenfeindlich-sexistischer Typ« zurückfällt. Aber bis dahin nervt er auch.

Gleichzeitig können Sie die Vorzüge der Gleichberechtigung erleben. Freuen Sie sich darüber, dass Sie bei der Arbeit und zu Hause auf Frauen als gleichwertige Gesprächspartnerinnen, Beraterinnen und Freundinnen treffen.

Üben Sie sich zukünftig in Zurückhaltung und halten Sie öfter mal die Klappe, dann sind alle anderen schneller fertig. Sie können sich sinnvoll beteiligen, indem Sie feministische Arbeit durch Geldspenden, Care-Arbeit, Putzdienste und vor allem in den meisten Fällen durch eigene Unsichtbarmachung unterstützen.

 

Wissen ist Macht

Informieren Sie sich. Theoretisches Wissen ist gut, praktisches noch viel besser. Wo könnte man das besser finden, als im Gespräch mit Frauen? Fragen Sie nach, welche Erfahrungen Frauen in Ihrem Bekanntenkreis mit Sexismus, Diskriminierung oder sogar Gewalt gemacht haben.

So konnte es vorkommen, dass Männer, die erst drei Tage zuvor bewusst das Wort »Geschlechterungerechtigkeit« in ihrem Gehirn von der einen in die andere Ecke geschoben hatten, mir lautstark Nachhilfe in Sachen Feminismus geben wollten.

 

Aktivisten

Werden Sie aktiv.

Ebenfalls immer wieder gruseln mich jene Demos, bei denen es vor allem linke Mackertypen sind, die sich vorne das Mikro schnappen, um »Kein Gott, kein Staat, KEIN PATRIARCHAT!!!« zu brüllen – denn das kann ja sonst niemand anderes so gut.

Unterstützen Sie globale Kampagnen gegen Sexismus und ermutigen Ihre Freunde, es Ihnen gleich zu tun.

Dazu passt die Anekdote, die mir irgendwann eine der Gründerinnen der feministischen Partei DIE FRAUEN erzählte: Dort habe man es inzwischen aufgegeben, Männer als Mitglieder aufzunehmen. Die seien nämlich in der Regel immer schnellstens an allen anderen weiblichen Parteimitgliedern vorbeigerauscht, um mindestens Schatzmeister oder Fraktionsleiter zu werden.

Ob es sich um sexistische Kommentare unter Freunden handelt, ein Übergehen einer Frau bei anstehender Beförderung oder sexuelle Gewalt: Wegschauen ist für Sie nicht mehr drin.

Wenn Sie nun auch noch davon Abstand nehmen könnten, klugzuscheißen, wäre schon ein klitzekleines bisschen gewonnen.

Schließen Sie sich uns an und leben Sie die Gleichberechtigung! Sie werden sehen, es lohnt sich.

Gehen Sie allen Feminist_innen, die keine Cis-Männer sind, aus der Sonne. Danke!

 

Feministen sind cool, gehen aber auf Kekse

Am Ende ist es der öffentliche Einsatz, der Frauen am meisten hilft und andere Männer motiviert, es Ihnen gleich zu tun, wenn sie sehen: Feministen sind cool.

Hand aufs Herz: Ich kenne eigentlich keinen Feministen, der mir nicht auf den Keks geht.

Deutschland braucht mehr Feministen!


Einsortiert unter:Männer Frauen, Politik, Satire

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